Plotterfolien: Materialkunde, Schneideeinstellungen und Tipps

Hellohello,

gerade wenn du mit dem Plotten beginnst, mag die Vielzahl an Plotterfolien vielleicht etwas überfordernd sein. Auch ich habe mich am Anfang gefragt, welche Folie ich für welchen Untergrund benötige, wie ich die Plotterfolien überhaupt unterscheiden kann usw. Um dir den Einstieg in die Plotterwelt zu erleichtern, habe ich in diesem Beitrag die klassischen Folienarten ausführlich beschrieben. Lass uns gemeinsam Plotterfolien entdecken!

Flexfolien plotten

Flexfolie plottenAllgemein: Flexfolien sind dünne Plotterfolien für Textilien. Sie sind auch für mehrschichtiges Plotten geeignet und die Folie befindet sich auf einem Träger. Beim korrekten Plotten wird nur die Folienschicht geschnitten, der transparente Träger bleibt am Stück. Das macht die Folie meiner Meinung nach auch so einsteigerfreundlich. Auf dem Träger bleiben nach dem Entgittern z. B. auch I-Punkte und sehr kleine Motive haften. Und das Motiv lässt sich so unkompliziert auf dem Material platzieren.

Geeignet für: Textilien, aber auch andere hitzebeständige Materialien

Tipp: Du kannst Flexfolien auch auf anderen Materialien nutzen als Stoff. Diese sollte hitzeunempfindlich sein und „pressbar“ sein. Ich habe schon Kork und Holz probiert. Und es ergibt sich noch mal ein anderer Effekt als mit Vinylfolie, weil Folie und Material „verschmelzen“. Die Haltbarkeit des Motivs erhöht sich dadurch. Wenn der Untergrund eine starke Struktur aufweist und du nicht willst, dass sich diese durchdrückt, solltest du zu dickeren Folien wie Flockfolie greifen.

Benötigtes Zubehör: Entgitterwerkzeug, Schneidematte mit normaler Klebekraft, Presse/Bügeleisen, Backpapier

Motivauswahl: Aus Flexfolie kannst du auch sehr feine Motive ausschneiden und auch mehrfarbige Motive sind problemlos umsetzbar. Das Motiv musss vorm Plotten immer gespiegelt werden!

Schneideeinstellungen: Die matte Seite der Flexfolie zeigt nach oben und die glänzende klebt auf der Schneidematte. Die Schneideeinstellungen variieren je nach Hersteller, Art und Plotter. In einigen Shops sind die Schneideeinstellungen für die populärsten Plotteranbieter angegeben. Außerdem gibt es auch Anbieter wie Cricut, die eigene Folien und Plotter anbieten. Wenn du in einem Hersteller-Kosmos bleibst, wird es dann besonders leicht, da die Materialien bereits in der Software gespeichert sind. Ansonsten heißt es ausprobieren und wenn du die richtige Schneideeinstellung gefunden hast, unbedingt auch deine Auswahl speichern.

Tipp: Fertige bei jedem neuen Material einen Testschnitt an!

Zur Orientierung meine Schneideeinstellungen für Flexfolien für den Cameo 4:

  • Werkzeughalter 1: Automatikmesser (mitgeliefertes Standardmesser)
  • Klingentiefe: 2
  • Anpressdruck: 12
  • Durchgänge: 1
  • Geschwindigkeit: 8

Fixierung: Durch Hitze wird die Klebeschicht der aktiviert und verbindet sich so mit dem Untergrund. Textilien sollten vor dem Auflegen der Folie immer vorgepresst werden. Du kannst zur Fixierung eine Transferpresse nutzen oder das Bügeleisen nutzen. Ich habe eine Hebelpresse und verwende für normale Flexfolie die Einstellung 150°C / 5 Sek.

Beim Bügeleisen solltest du darauf achten, dass du dieses nicht bewegst, sondern wirklich presst. Die Dampffunktion sollte ausgeschaltet sein. Hier musst du dich langsam an die Dauer rantasten. Egal, ob Transferpresse oder Bügeleisen, du solltest beim Pressen immer ein Backpapier zwischen Folie und Gerät legen. Die Flexfolien, die ich kenne werden heiß abgezogen, das heißt direkt nach dem Pressen.

Tipp: Presse im ersten Schritt deine Motive immer nur so lange wie nötig. Das ist besonders wichtig, wenn du mehrschichtig plotten möchtest, da bei jeder weiteren Schicht die Motive nochmal erhitzt werden und du möchtest ja nicht, dass die Folien sich zu sehr in Material eindrücken oder verziehen. Deswegen solltest du dir am Anfang ruhig etwas mehr Zeit für das Thema nehmen und vielleicht auch mit Folien- und Stoffresten etwas üben. Zum Schluss presse ich das Motiv immer noch mal gesamt und ohne Träger.

Haltbarkeit: Mit Flexfolien gestaltete Textilien können in der Regel problemlos gewaschen werden. Beim Hersteller findet man hierzu meist Waschhinweise. Ich würde die Kleidung immer auf links waschen. Bei der Verwendung auf anderen Materialien ergibt sich wie oben beschrieben ebenfalls eine gute Haltbarkeit.

Flockfolie plotten

Flockfolie plottenAllgemein: Flockfolie ist der Flexfolie sehr ähnlich im generellen Umgang und in der Funktionsweise. Aber die Optik unterscheidet sich. Flockfolie ist wesentlich dicker und hat ein flauschiges Finish. Die Kombination aus beiden Folien mag ich besonders. Du kannst Flockfolie problemlos auf Flexfolie pressen, aber Achtung: andersrum geht das natürlich nicht. Die angeraute Oberfläche würde sich durch die Flexfolie durchdrücken. Auch Flockfolien sind durch die Trägerfunktionsweise einsteigerfreundlich. Nur beim Entgittern musst du etwas beherzter vorgehen.

Geeignet für: Textilien, aber auch andere hitzebeständige Materialien mit gröberer Struktur

Benötigtes Zubehör: Entgitterwerkzeug, Schneidematte mit normaler Klebekraft, Presse/Bügeleisen, Backpapier

Motivauswahl: Auch aus Flockfolie kannst du feine Motive ausschneiden. Ich mag es besonders, wenn der Hintergrund aus Flexfolie und die Kontur aus Flockfolie besteht. So bekommt das Motiv mehr Tiefe. Auch hier muss das Motiv muss vorm Plotten immer gespiegelt werden!

Schneideeinstellungen: Wie bei der Flexfolie liegt die matte Oberfläche oben und die glänzende klebt auf der Schneidematte. Die Einstellungen variieren je nach Plotter, Hersteller usw. (siehe Hinweise oben). Generell musst du tiefer schneiden und brauchst mehr Power, weil die Folie dicker ist.

Zur Orientierung meine Schneideeinstellungen für Flockfolie für den Cameo 4:

  • Werkzeughalter 1: Automatikmesser (mitgeliefertes Standardmesser)
  • Klingentiefe: 3
  • Anpressdruck: 33
  • Durchgänge: 1
  • Geschwindigkeit: 5

Fixierung: Das Vorgehen ist grundsätzlich das gleiche wie bei Flexfolie. Allerdings musst du länger und mit höherer Temperatur pressen. Ich verwende für meine Presse die Einstellung 165°C / 15 Sek. Beachte dabei die Hinweise oben zum mehrschichtigen Plotten. Der Träger wird in der Regel kalt abgezogen.

Haltbarkeit: Auch Textilien mit Flockfolie können einfach gewaschen werden. Beachte dabei die Hinweise vom Hersteller.

Effektfolien

Es gibt noch zahlreiche weitere Folienarten, die dem Grundprinzip der Flex- und Flockfolien folgen. So gibt es z. B. auch UV-Folie, die bei Lichteinstrahlung die Farbe wechselt, Glitzerfolie, Motivfolien, Folien mit Vintageeffekt, holografische Folien und vieles mehr.  Hier kannst du dich richtig austoben. Die korrekten Einstellungen und Hinweise findest du hoffentlich direkt beim Hersteller. Das grundsätzliche Vorgehen ist in den meisten Fällen so wie oben beschrieben.

Effektfolien plotten

Vinylfolie plotten

Vinylfolie plottenAllgemein: Vinylfolie kann man mit einem Sticker vergleichen. Sie befindet sich ebenfalls auf einem Träger und nur die obere Schicht wird mit dem Plotter geschnitten. Du erkennst Vinylfolie daran, dass die Rückseite meist aus weißem Papier besteht, das ein kariertes Muster hat. Vinylfolie gibt es in matter und in glänzender Ausführung. Ich persönlich finde Vinylfolie plotten etwas anspruchsvoller als die Textilfolien, da das Entgittern durch die Klebeschicht friemliger ist. Außerdem kann es hier viel schneller passieren, dass sich kleine Teile eines Motivs mitablösen wie z. B. I-Punkte. Letztendlich bestimmt aber natürlich der Untergrund, welche Folie verwendet werden sollte.

Rückseite VinylfolieGeeignet für: Glatte Oberflächen wie Glas, Holz, Keramik, Metall

Benötigtes Zubehör: Entgitterwerkzeug, Schneidematte mit normaler Klebekraft, Transferfolie, Rakel, Pinzette und sehr nützlich ist auch ein „Schrottsammler“, in dem du Folienreste sammeln kannst

Motivauswahl: Aus Vinylfolie kannst du sehr große Motive wie Wandtattoos, aber auch feinere Motive ausschneiden. Im besten Fall ist das Motiv zusammenhängend. So wird das Entgittern wesentlich einfacher. Es kann schon mal vorkommen, dass einzelne kleinere Bestandteile während des Plottens abgezogen werden oder du beim Entgittern ein Teilchen verlierst. Damit muss man sich ein bisschen abfinden. Es hilft nur Geduld und zur Not kann man die verlorenen Teile ja auch noch mal plotten. Auch mehrfarbiges Plotten ist mit Vinyfolie möglich. Wobei du hier nicht einzelne Schichten übereinanderlegst, sondern einzelne Bestandteile aus unterschiedlichen Farben ausplottest und dann zusammenfügst. Hier muss das Motiv vorm Plotten nicht gespiegelt werden! Ein Vorteil von Vinylfolie ist außerdem, dass sie mit etwas Mühe wieder entfernt werden kann, falls einem das Motiv nicht mehr gefällt. Das ist bei Flex- oder Flockfolie nur sehr schwer bis gar nicht möglich.

Schneideeinstellungen: Bei Vinylfolie liegt die Folienseite oben. Die Papierschicht wird auf der Schneidematte befestigt. Die Einstellungen variieren je nach Plotter, Hersteller usw. und du erhältst hierzu meist Hinweise auf den Herstellerseiten.

Zur Orientierung meine Schneideeinstellungen für Vinylfolie für den Cameo 4:

  • Werkzeughalter 1: Automatikmesser (mitgeliefertes Standardmesser)
  • Klingentiefe: 2
  • Anpressdruck: 10
  • Durchgänge: 1
  • Geschwindigkeit: 5

Tipp: Da sich beim Plotten von Vinylfolie gerne mal kleinere Bestandteile lösen, ist es besonders wichtig, das Messer nach dem Plotten zu reinigen und Folienreste zu entfernen.

Fixierung: Das ist das Schöne an Vinylfolie: für die Fixierung benötigst du kein weiteres Gerät. Die Folie ist mit einer selbstklebenden Schicht ausgestattet wie ein Sticker. Vorm Aufkleben solltest du die Oberfläche reinigen. Zusammenhängende Motive, die nicht allzu groß sind, löse ich einfach von der Rückseite ab und klebe sie auf. Für komplexere Motive benötigst du die Transferfolie. Diese durchsichtige Folie wird nach dem Entgittern auf das Motiv geklebt.

Tipp: Du kannst auch erst die Transferfolie aufbringen und dann Entgittern. Hier musst du ein wenig Ausprobieren, wie es für dich am einfachsten ist.

Mit der Rakel streichst du über das Motiv, damit die Transferfolie auf der Vinylfolie haftet. Dann ziehst du die Folie samt Motiv von der Rückseite ab und platzierst dieses auf dem Untergrund. Nun streichst du wieder mit der Rakel über die Transferfolie und löst diese vorsichtig ab.

Haltbarkeit: Vinylfolie ist vor allem für Deko etc. geeignet und haftet auf passenden Oberflächen auch echt gut. Dazu muss man natürlich auch sagen, dass solche Materialien meist auch keiner größeren Belastung ausgesetzt sind.

Kleiner Exkurs: Vinylfolie für Geschirr verwenden?

Jetzt fragst du dich vielleicht, ob du deine Vinylfolie auch auf Geschirr verwenden kannst. Meine klare Antwort ist: Jein :-). Für Keramik, Gläser und Co., die keinen direkten Kontakt zu Lebensmittel haben, kannst du Vinylfolie ganz gut verwenden. Ich denke da z. B. an Karaffen, To-Go-Becher und Ähnliches. Hier würde ich dir ein Spülen mit der Hand empfehlen.

Inzwischen gibt es auch Hersteller, die spülmaschinenfeste Vinylfolien anbieten. Getestet habe ich das selbst noch nicht und ich weiß auch nicht, ob ich das gerne machen wollte. Letztendlich ist es weiterhin oberflächlicher Kleber und Plastik, die ich ungern mit meinem anderen Geschirr mischen würde. Spülmaschinenfeste Vinylfolie ist sicher aber auch ein gutes Material, wenn du generell eine höhere Haltbarkeit habe möchtest, auch bei Handspülungen.

Für wirklich haltbare Ergebnisse ist dann wiederum Sublimation das richtige Mittel der Wahl. Aber das ist dann ein ganz anderes Thema, was ich vielleicht später mal ausprobieren möchte.

Und noch ein paar allgemeine Tipps zum Schluss:

  • Sei mutig und teste dich erstmal munter durch die Folienarten. Die meisten Folien sind doch recht günstig, sodass kleinere Fehler am Anfang verkraftbar sind.
  • Lege dir einen kleinen Vorrat an, sobald du deine Lieblingsfolien gefunden hast. Es ist ärgerlich, wenn du spontan eine Idee hast, die du nicht umsetzen kannst.
  • Dieser Vorrat sollte auch immer ein paar weiße und schwarze Folien umfassen, da man diese meist häufiger benötigt.
  • Folien lassen sich gut in Mappen mit Klarsichtfolien und Fächermappen organisieren.
  • Es lohnt sich immer Reste aufzuheben, wenn sie nicht zu fitzlig sind.

Jetzt hast du die wichtigsten Plotterfolien erstmal kennengelernt und kannst hoffentlich erfolgreich in deine ersten Plotter-Projekte starten. Es gibt noch viele andere spannende Materialien und Werkzeuge, die du mit dem Plotter verwenden kannst. Auf diese werde ich in anderen Beiträgen eingehen.

Viel Spaß beim Selbermachen!

Deine frau friemel

Willkommen bei frau friemel
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Hinter der kleinen Basteltante stecke ich, Liesa, ausgestattet mit einer großen Leidenschaft für DIYs, selbstgemachte Geschenke und schöne Dekoration. Alles, was geht, wird hier selbstgemacht.
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