Teil 2: Eine, die auszog das Fürchten zu lernen oder MEIN Einstieg in die Berufswelt

Kopf hoch

Nachdem ich das letzte Mal über mein Studium berichtet habe, kommt heute der Mutmach-Teil. Ich möchte über das Thema „Was mache ich nach dem Studium?“ schreiben, da es ein großer Bestandteil meines Jahres 2016 war. Die Wunden sind also noch frisch 🙂 . Ich hoffe, dass ich Dir mit meinen Erfahrungen mit der Jobsuche ein wenig weiterhelfen kann. Denn ich weiß, wie es ist, wenn man hochmotiviert ist, weil man seinen Abschluss in der Tasche hat und eine Absage nach der anderen bekommt.

Nochmals will ich heute darauf hinweisen, dass meine Erzählungen ausschließlich meiner subjektiven Wahrnehmung und Erfahrung entsprechen.

Welcher Job ist der Richtige?

Ja, es gibt sie, die Studiengänge, die man einer genauen Berufsbezeichnung zuordnen kann. Ein Medizinstudent wird in der Regel Arzt, ein Jurastudent wird häufig Anwalt, ein Pädagogikstudent wird meist Lehrer usw. Bei meinem Studiengang war dies, wie bei sehr vielen anderen Studienrichtungen auch, nicht der Fall. Man muss sich seine Berufsbezeichnung selbst zuordnen und das geht häufig nur über Praxiserfahrungen. Natürlich prägt das Studium die Richtung: Welche Fächer haben mir besonders Spaß gemacht? Was interessiert mich wirklich? Ein bisschen erinnert die Zeit an die Situation nach dem Abitur.

Praxiserfahrungen – ein Muss

Mein Jobwunsch wurde vor allem durch eine Werkstudententätigkeit während des Masterstudiums und mein privates Interesse geprägt. Ich kann nur immer wieder betonen, wie wichtig praktische Erfahrungen sind, die man möglichst vor dem Berufseinstieg sammelt. Nur so findet man heraus, ob der Job wirklich so ist, wie man ihn sich vorstellt. Außerdem braucht man eine Bewerbung ohne Praxiserfahrung eigentlich gar nicht erst abzuschicken.

Stärken-Schwächen-Analyse

Wenn man sich nicht wirklich sicher ist, was man nun mit dem Studienabschluss anfangen will, sollte man sich fragen, worin die eigenen Stärken liegen und sich diese auch aufschreiben. Ich weiß, dass es vielen schwerfällt, die eigenen Stärken zu sehen. Deswegen wäre mein Tipp erst mal aufzuschreiben, was man überhaupt nicht will, das fällt einem meistens leichter. Dann kann man Freunde und Bekannte fragen, wo sie die Stärken sehen. Bei mir war z.B. sofort klar, dass ich niemals im Vertrieb arbeiten möchte. Dabei geht es mir nicht um den Kundenkontakt an sich, aber Kundenakquise wäre für mich der absolute Horror, da ich eher einen ruhigen Charakter habe. Ich finde, dass man sich so was auch eingestehen sollte, sonst wird man über kurz oder lang nicht glücklich in seinem Beruf.

Der Bewerbungsprozess

Wenn man sich erst mal klar darüber ist, für welche Jobpositionen man sich jetzt bewerben möchte, ist schon ein großer Schritt getan.

Das richtige Karrierelevel finden

Nun muss man sich überlegen, welches Karrierelevel das Richtige ist. Der Idealfall ist natürlich, wenn man während des Studiums schon eine Werkstudententätigkeit oder ein Praktikum absolviert, was einem Spaß macht, und man fließend vom Arbeitgeber übernommen wird. Andere Einstiegsmöglichkeiten sind häufig ein Trainee oder auch eine Juniorposition. Ich habe mich natürlich erst mal munter für viele Juniorstellen beworben, da ich dachte, dass diese nach einem Masterstudium und Praxiserfahrungen schon drin sein sollten. Der Junior per Definition war dabei auf meiner Seite:

„Junior ist eine Bezeichnung für Berufseinsteiger. Juniorpositionen richten sich an Einsteiger mit einem bis drei Jahren Berufserfahrung.“ (Quelle: http://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/junior)

Vom Erfahrungsmangel und Standardabsagen

Aber falsch gedacht! Ich hatte so einige Bewerbungsgespräche für Juniorstellen, die letztendlich immer an einem Mangel an Praxiserfahrungen scheiterten. Entweder waren die Praxiserfahrungen generell zu wenig oder sie entsprachen nicht gezielt dem beschriebenen Jobprofil oder der Branche. Man soll möglichst jung sein, aber viel Praxiserfahrung haben. Das ist doch absurd und ist wirklich sehr sehr ermüdend. Wie soll man Praxiserfahrungen sammeln, wenn einem niemand die Chance dazu gibt? Zudem kann man überaus froh sein, wenn man überhaupt einmal ein Feedback bekommt. Dies war bei mir trotz gezielter Nachfragen genau zweimal der Fall. Man bekommt dann immer die Standardabsage, in die der Name (manchmal sogar falsch!) eingefügt wird:

„Es gab Kandidaten, die unseren Anforderungen noch besser entsprochen haben…“

„…ausschließlich von unternehmensspezifischen Auswahlkriterien geprägt.“

„…keine Wertung ihrer Qualifikationen.“

Pure Frustration

Aha, und was bedeutet das jetzt? Ich verstehe ja, wenn solche Absagen nach der schriftlichen Bewerbung kommen, aber ein bisschen unhöflich finde ich so was, wenn man sich schon persönlich kennengelernt hat, schon 3 Stunden zum Probearbeiten da war oder 6 Stunden an einer Präsentation für ein Unternehmen saß. Meiner Meinung nach, könnte man sich dann auch mal 10 Minuten Zeit nehmen, um ein hilfreiches Feedback zu geben. Bei den meisten Unternehmen ist dies allerdings nicht der Fall.FrustrationMan sollte das natürlich nicht persönlich nehmen, da die Unternehmen wirklich eine hohe Anzahl an Bewerbungen erhalten, aber ärgerlich ist es trotzdem. Damit kommen wir zum nächsten Punkt: Wahl des Arbeitsortes.

Wo möchte ich arbeiten?

Natürlich ist die schönste Ausgangslage, wenn man sich völlig frei, deutschlandweit bewerben kann und dann in den Arbeitsort zieht. Oftmals ist dies allerdings nicht möglich. Ich wäre z.B. nie ans andere Ende von Deutschland gezogen. Mir sind meine Familie und Freunde sehr wichtig und ich wollte einen neuen Wohnort haben, bei dem ich nicht ewig weit im Voraus planen muss, um der Heimatstadt einen Besuch abzustatten. Zudem befanden wir, ich und mein Partner, uns in der günstigen Lage, dass wir uns etwa zeitgleich bewerben mussten. Dennoch gab es irgendwann den Punkt, dass wir uns einfach entscheiden mussten.

Neue Wunschheimat: Berlin

So fiel unsere Wahl auf Berlin. Großstadtfeeling und viele Jobchancen – so zumindesten die Vorstellungen. Wie oft habe ich in dieser Zeit Sätze gehört wie:

„In Berlin wirst du ja auf jeden Fall was finden. Da gibt es ja so viele Unternehmen. Als BWLer in Berlin, das dürfte ja gar kein Problem sein“

Berlin FernsehturmUnd so habe ich am Anfang ja auch gedacht, meine Erfahrungen lehrten mich allerdings etwas anderes. Man muss nämlich auch bedenken, dass es viel mehr Menschen in Berlin gibt, also auch viel mehr Bewerber. Es stimmt sicher, dass ich in meiner Heimatstadt überhaupt keine Unternehmen gefunden hätte, bei denen ich mich hätte bewerben können. Da sah die Ausgangslage in Berlin schon ganz anders aus. Es gab immer wieder frische Stellen, auf die man sich bewerben konnte, auch wenn nach einer gewissen Zeit immer wieder dieselben Unternehmensnamen auftauchen.

Nichtsdestotrotz war die Konkurrenz scheinbar riesig, auch bei Stellen, die nicht sehr lukrativ waren. Und um auf die Junior-Senior-Sache zurückzukommen: Ich hatte sehr oft das Gefühl, dass sich viele Menschen auf eine Juniorstelle beworben haben, die eigentlich für eine Seniorstelle geeignet gewesen wären, aber glücklich waren, überhaupt eine Stelle zu finden. Das sind natürlich nur Vermutungen, aber anders kann ich mir die teilweise übertriebenen Anforderungen an eine Juniorposition nicht erklären.

Ich bin sowieso der Meinung, dass man erst richtig im Job lernt. Den Monat, den man länger für die Einarbeitung braucht, kann man, meiner Meinung nach, durch Motivation und Fleiß wieder wettmachen.

Mein Jobeinstieg – Bachelor-Master-System gescheitert?

Letztendlich habe ich dann mein Suchprofil geändert und mich wieder vermehrt auf Trainee-Stellen beworben. Dies war und ist für mich die einzige Möglichkeit, noch mehr und gezielte Praxiserfahrungen zu sammeln, was mir hoffentlich bei der nächsten Jobsuche hilft bzw. einen Berufseinstieg ermöglicht. Eine Traineestelle habe ich dann auch gefunden. Natürlich ist diese nicht so gut bezahlt, wie eine Junior-Einstiegsposition und oft habe ich mir gedacht, dass ich mir das Masterstudium hätte sparen können, wenn ich jetzt noch ein Traineeship mache. Das Masterstudium bereue ich dennoch nicht, da es mir eine bessere Abschlussnote brachte und eine tolle Erfahrung war.Das eigene Suchverhalten überdenken

Nichtsdestotrotz würde ich vielen Studenten empfehlen, gut über das Masterstudium nachzudenken. Ich würde, wenn ich meine Studienzeit noch mal beginnen würde, anschließend an den Bachelor sofort ein Traineeship machen. Ich hatte nämlich stets das Gefühl, dass den Unternehmen zwar wichtig ist, dass man generell einen Uniabschluss in der Fachrichtung hat, die Praxiserfahrungen aber viel schwerer wiegen. Zudem glaube ich nicht, dass ich in meiner Branche mal mehr verdienen werde, weil ich einen Masterabschluss habe. Aber das kann ich noch nicht beurteilen und es ist natürlich stark vom Studiengang abhängig.

Fazit: Nur nie aufgeben, das Maximale herausholen und Chancen ergreifenTraineeship

Aufgeben ist in dieser Phase das Schlechteste, was Du machen kannst. Versuch Dich immer wieder zu motivieren. Eine Absage nach der anderen ist niederschmetternd, vor allem, wenn Du Dir die Ursache nicht erklären kannst. Da dieser Beitrag schon sehr lang ist, habe ich beschlossen, in den kommenden Wochen noch einen dritten zu schreiben, der Tipps zur Motivation, für die Stellensuche und für die Bewerbung beinhalten soll.

Meine Berufsfindungsreihe im Überblick:

Was hast Du für Erfahrungen gemacht? Ich finde es immer sehr interessant, wie manche Leute zu ihrem Beruf gekommen sind. Vielleicht magst Du davon berichten?!

Hier erfährst Du mehr zum Thema Studium.

Deine Liesa

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