Teil 1: Mein Studium – Eindrücke, Erfahrungen und Tipps

To Do

Heute soll es ein bisschen persönlicher werden. Ich möchte Dir ein wenig  über meine Studienzeit berichten, um Dir dann in einem zweiten Teil meinen Weg in die Berufswelt zu beschreiben. Diese Reihe soll dazu dienen, denjenigen ein bisschen Mut machen, die sich gerade auch in der Berufsfindungsphase befinden. (Ich hätte diesen Beitrag auch nicht schreiben können, wenn ich nicht in der Zwischenzeit eine Arbeit gefunden hätte.) Heute möchte ich allerdings mit den Erkenntnissen beginnen, die ich während der Studienzeit gesammelt habe. Vielleicht kann ich denjenigen, die gerade erst mit dem Studium beginnen, ein paar Denkanstöße mit auf den Weg geben. Ich hatte nämlich im letzten Jahr öfters Gedanken wie „hätte ich mal dies oder das anders gemacht“. Was, erfährst Du hier.

Bevor wir beginnen, möchte ich nochmal festhalten, dass es sich hierbei um meine ganz persönliche Berufsfindungsgeschichte handelt. Bei anderen Studiengängen beispielsweise muss man ganz andere Wege gehen, um in der Berufswelt Fuß zu fassen.

Nach dem Abi, was nun?

Ich habe immer Menschen bewundert, die ganz konkrete Zukunftspläne hatten. Diese gab es ja bereits in der Schule. Ich gehörte nicht dazu. Ich war eine ganz passable Schülerin, die aber keine Superfähigkeit in einem bestimmten Schulfach hatte. Fächer wie Ethik, Geschichte und Psychologie habe ich sehr gemocht, Mathe dagegen überhaupt nicht. Schon damals viel mir auf, dass das aber sehr stark von der Lehrkraft abhängig ist, was sich auch in der Unizeit bestätigte. Mancher Lehrer oder Professor brennt selbst für sein Thema, andere wollen einfach nur ihr Geld verdienen. Wenn man nicht so genau weiß, was man machen soll, ist ein FSJ, was man ja mittlerweile auch in vielen Kulturbereichen machen kann, eine schöne Alternative.

Drei Fragezeichen

Meine Wahl: Bachelorstudium der Betriebswirtschaftslehre

Ich bewarb mich kurzentschlossen für ein BWL-Studium in meiner Heimatstadt, entgegen der Empfehlungen des Studienberaters. Da meine Mathenoten nicht die besten waren, schloss dieser viele Studiengänge von vornherein für mich aus. Mein erster wichtiger Tipp ist hier,  sich genauestens über das Wunschstudium zu erkundigen. Vielleicht schaust Du schon vor der Bewerbung in die Prüfungsordnung. Während meines BWL-Studiums hatte ich z.B. zwei Semester Mathe, die man nur bestehen musste und die nicht mal in die Endnote eingingen. Zudem war diese Mathematikvorlesung nicht mit Schule vergleichbar und konnte problemlos gemeistert werden. Man kann an dieser Stelle also nicht einfach pauschalisieren, sondern muss sich gut erkundigen und dann eine eigene Meinung bilden.

„Wer nichts wird, wird Wirt, und wem auch dieses nicht gelungen, der macht in Versicherungen.“ (Volksmund)

Ja ja, wie oft muss man sich diesen Spruch wohl als Betriebswirt anhören?! Bei mir trifft er aber tatsächlich ein bisschen zu. Ich dachte mir, dass dieses Studium so vielfältig ist, da wird man schon das Passende für sich finden und so war ist ja dann letztendlich auch. Die Vielfältigkeit hat aber auch einen Haken: Man hat mindestens ein Viertel Fächer, die einen gegen Null interessieren, die ja aber nichtsdestotrotz die Endnote erheblich beeinflussen. Hier heißt es dann „Bullemie-Lernen“.

Lernen und Leistungen

Bei mir gab es meist eine Kluft zwischen Fächern, in denen ich wirklich gut war und anderen, die mein Schädel gar nicht aufnehmen wollte. Aufgrund der hohen Anzahl an Studenten (wir  hatten teilweise Vorlesungen im Theater), hatten wir gegen Ende des Semesters zwei Wochen lang ausschließlich schriftliche Prüfungen mit einem hohen Anteil an Multiple-Choice-Fragen. Und ja, es ist kein Weltuntergang,  auch mal eine Prüfung wiederholen zu müssen. Meine einzigen Hausarbeiten und Präsentationen hatte ich in Verbindung mit einem Seminar und der Bachelorarbeit. Ich fand das sehr schade, da ich am besten lerne, wenn ich mich damit selbst intensiv auseinandersetzen muss. Ich habe aber auch Freunde, die immer über ihre vielen Hausarbeiten klagen und gerne mal einfach etwas auswendig lernen würden. Die Mischung macht es eben. Auch die Vorlesungen wurden sehr einseitig gehalten, wie es an der Universität oft üblich ist. Das Ganze erfordert also einiges an Selbstdisziplin, da es schlichtweg niemanden auffällt, wenn du nicht da bist (sehr studiengangabhängig!).

Universität vs. Fachhochschule

Wem das nicht liegt und wer einfach auch mehr praktischen Unterricht benötigt, würde ich auf jeden Fall eine Fachhochschule empfehlen. Früher hieß es, dass diese einen schlechten Ruf haben, was aber Unsinn  ist, wenn man bedenkt, wie praktisch an diesen teilweise gearbeitet wird. Praxiserfahrungen sind schließlich das wichtigste Element im Bewerbungsprozess. Dazu im nächsten Teil mehr.

Praktische Erfahrungen sammeln

Während des Studiums solltest Du unbedingt die Zeit nutzen, um Praktika machen. Am besten gleich mehrere. So lernt man auch, was einem Spaß macht, wo die eigenen Talente liegen und bekommt Impulse für den weiteren Weg nach dem Bachelorabschluss. Wer mutig ist, kann das Ganze natürlich auch im Ausland machen. So verbessert man gleichzeitig noch seine Sprachkenntnisse. Englisch ist und bleibt nun mal sehr wichtig, egal ob fürs Studium oder im Beruf. Meine Literatur für die Masterarbeit war z.B. fast ausschließlich in Englisch.

Ich habe während meines Studiums ein halbjähriges Praktikum gemacht. Hier hätte ich z.B. im Nachhinein gerne noch mindestens eins mehr gemacht. Aber die Regelstudienzeit und auch meine Eltern saßen mir im Nacken. Ich will nicht meckern, ohne meine Eltern hätte ich nie so ein schönes Studentenleben gehabt. Dennoch fällt es ihnen manchmal schwer, die heutigen Ausbildungswege zu verstehen, da früher nun mal wirklich vieles anders war.

Ich finde, die aktuelle Generation steht wirklich unter enormem Druck. Man hat zahlreiche Freiheiten, die einen aber gleichzeitig auch überfordern können. Zudem ist jeder Mensch ersetzbar, vor allem in der Wirtschaft. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau #firstworldproblems. Jede Generation steht vor ihren eigenen Herausforderungen.

Masterstudium Kundenbeziehungsmanagement

Dieses Studium gibt es meines Wissens nur an der Technischen Universität Chemnitz. Ich bin zufällig durch meine Internetrecherchen auf den Studiengang Kundenbeziehungsmanagement aufmerksam geworden und fand ihn sofort interessant. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Wirtschaftsinformatik- und Marketingfächern, also sehr zukunftsträchtig 😀 . Sofort hat mir Studieren mehr Spaß gemacht, da die Vorlesungsinhalte plötzlich greifbarer und praktischer wurden. Ich weiß nicht, ob das an dem Studiengang an sich lag oder an der Tatsache, dass das Lehren an einer Technischen Universität stärker praktisch orientiert ist. Zudem hatten wir gemeinsame Projektarbeiten und praktische Fallstudien, die wirklich spannend waren. Natürlich gab es auch hier Fächer, die nicht zu den Favoriten zählten, aber diese waren in der Unterzahl. Das spiegelte sich auch in meiner Abschlussnote wieder.

Tipps fürs Studium
Meine Studientipps im Überblick

Rückschläge akzeptieren

An einer Negativerfahrung während des Masterstudiums möchte ich Dich noch gerne teilhaben lassen, da sie mich viel gelehrt hat: Wir mussten in Vorbereitung auf die Masterarbeit eine Seminararbeit schreiben. An dieser saß ich ein Semester lang und bin dann durchgefallen, da ich das Thema, nach der Meinung meines Betreuers, verfehlt hatte. Ich dachte immer so was geht nicht, man denkt sich ja nicht einfach etwas aus, sondern recherchiert. Ich hatte allerdings nicht den besten Draht zu meinem Betreuer, was mich davon abhielt mehr nachzufragen. Darüber habe ich mich so geärgert, da sich nun das ganze Studium verlängerte. Deswegen möchte ich Dir den Tipp geben: Scheiß drauf! Niemand kann Dir so unsympathisch sein, dass Du dafür eine schlechte Note in Kauf nimmst. Im Nachhinein hat es aber auch sein Gutes. Ich bekam ein super interessantes Thema für meine Seminararbeit, das ich in meiner Masterarbeit weiter ausführen durfte, und eine wirklich tolle Betreuerin. Da zeigt sich mal wieder:

„Am Ende wird alles gut und ist es nicht gut, ist es auch noch nicht das Ende.“ 

Seitdem versuche ich immer das Positive zu sehen, auch wenn es im ersten Moment schwerfällt. Das hat mir auch bei der Jobsuche sehr geholfen.

Meine Berufsfindungsreihe im Überblick:

Uff, jetzt sind wir durch. Aber fünf oder vielleicht auch mehr Jahre 😉 sind eben auch eine lange Zeit. Ich hoffe, dass Du ein bisschen aus meinen Fehlern lernen kannst bzw. mutiger an Dein Studium herangehst. Denn das Studieren an sich ist wirklich eine tolle Erfahrung und DIE würde ich nie bereuen.

Nächste Woche gibt’s mehr zum lästigen Thema Jobsuche 🙂

Deine Liesa

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